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Das Badezimmer

This post is about bathrooms in England, by the impression of a German.

Das englische Badezimmer. Eigentlich nichts, worüber man was schreiben könnte, ein normales Bad eben. Allerdings haben die englische Bäder ein paar Eigenheiten. Diese Eigenheiten möchte ich hier in einem virtuellen Rundgang erläutern.

Also, Tür auf und herzlich willkommen im Bad eines normalen englischen Hauses. Als erstes wollen wir Licht anschalten, sonst sieht man so schlecht. Entweder weil das Bad kein Fenster hat, oder weil es gerade auf Mitternacht zugeht, oder aber weil es zwar noch Tag aber das Wetter so mistig ist, daß man doch Licht braucht. Sag ich doch, das Licht anschalten. Nur, wo ist der Lichtschalter? Bevor das jetzt ein langes Suchen gibt - die Reißleine neben der Tür.
Lichtschalter im Bad gibt es hier nicht. Es gibt eine mehr oder weniger schlichte Schnur, die normalerweise in der Nähe der Tür von der Decke runterhängt.

So, jetzt haben wir also Licht, also hereinspaziert und die Füße von dem schön flauschigen Teppich verwöhnen lassen. Teppich...? Ja, Teppich! Viele Häuser und Wohnungen hier in England haben Teppich im Bad. Und ich rede nicht von kleinen Teppichstücken an den Stellen, wo man normalerweise aus der Wanne steigt, sondern schön verlegten, großflächigen Teppich.
Warum das so ist? - Ich hab mal eine Person davon reden hören, daß es ja im Winter immer so kalt ist und der Teppich quasi gegen die Kälte ist. Allerding, meiner Meinung nach wird es hier selbst im Winter eigentlich nicht sonderlich kalt (das bezieht sich jetzt auf Birmingham, in den schottischen Highlands mag das schon ganz anders aussehen).
Auf jeden Fall ist also Teppich im Bad. Wenn der Teppich ganz neu ist, dann geht das ja noch. Wenn allerdings schon jemand in dem Haus / der Wohnung gewohnt hat, dann mußt Du ganz fest daran glauben, daß die Vorbewohner (vor allem die männlichen) verdammt gut zielen konnten.
Wenn das mit dem Glauben nicht so gut funktioniert, dann kannst Du auch einen kleinen (oder größeren) Läufer hinlegen, auf den Du dann trittst. Den kann man zum einen vernünftig saubermachen, zum anderen tötest Du nicht die ganzen Zivilisationen von was-weiß-ich, die schon seit ewig in dem Teppich leben.

Bathroom

Waschbecken
So, wir sind also in der Mitte des Bades angekommen. Das Waschbecken ist nur einen kürzeren Kommentar wert - Mischbatterien sind teuer und selten. Dementsprechend haben die meisten Wohnungen und Häuser zwei Wasserhähne, einen für warm und einen für kalt (wobei ich zugeben muß, daß Neubauten oftmal vernünftig ausgestattet sind und eine Mischbatterie haben).
In vielen Häusern steht irgendwo ein Warmwasserbehälter rum, man hat also recht schnell warmes Wasser, wenn man denn will. Andere Häuser wärmen das Wasser nur, wenn es verlangt wird. Wenn also ein Warmwasserhahn aufgedreht wird, springt die Gasheizung an und fängt so langsam an, das durchlaufende Wasser zu erhitzen. Das Resultat ist normalerweise, daß Du Dich mit kaltem Wasser wäschst und beim Abdrehen dann die erste Temperaturveränderung bemerkst.
In größeren Wohnanlagen ist die Warmwasserbereitung oft irgendwo zentral, daß heißt, Warmwasser ist wirklich Warmwasser und das recht fix. Und ganz kurze Zeit später wird aus dem Warmwasser ein Heißwasser (das passiert mit dem oben erwähnten Durchlauferhitzer auch, aber so langsam, daß Du normalerweise schon fertig bist).
Da das Waschbecken wie schon erwähnt zwei Wasserhähne hat, hast Du also jetzt die Wahl: Entweder Du wäschst Dich mit kalten Wasser oder Du kochst Deine Hände. Alternativ kannst Du Deine Hände natürlich auch sehr schnell zwischen den beiden Wasserstrahlen hin-und-her bewegen, sollte im Durchschnitt eine angenehme Temperatur sein.

Von den wichtigen Stationen im Badezimmer habe ich die Dusche bisher noch nicht erwähnt (und das Klo, aber das ist erstaunlicherweise ähnlich wie in Deutschland, demzufolge hier nicht erwähnenswert).
Die meisten Duschen sind hier über der Badewanne, mit ein bisschen Glück gibt es auch einen Duschvorhang oder ähnliches, daß ein Rumspritzen im ganzen Bad verhindert. Wenn Du das Glück hast, Dich in einer recht neuen Wohnung eines größeren Apartmentblocks zu befinden, dann kann es sogar passieren, daß Du nix ungewöhnliches findest und die Dusche genauso aussieht, wie Du es gewöhnt bist.
Für die Mehrzahl der Duschen gilt allerdings, daß das komische Plasteding an der Wand der elektrische Durchlauferhitzer ist. Ja, elektrisch Heizen (egal ob Wasser oder Räume) ist hier noch recht großflächig vorhanden.
Die Bedienung von diesem Geräten ist recht einfach. Drücke auf den mit Power beschrifteten Knopf - und wundere Dich, daß mit ein wenig Pech nichts passiert. Diese Duschdinger haben normalerweise irgendwo einen Hauptschalter. Beim Lichtschaltersuchen hast Du ja schon festgestellt, daß da kein Schalter im Raum ist. Allerdings hängt, normalerweise irgendwo in der Nähe der Dusche, irgendwo ein zweiter Strick von der Decke runter (und jetzt bitte NICHT das Licht ausschalten).
Nachdem die Dusche also angeschaltet ist, funktioniert sie auch und es kommt Wasser raus. Die erste halbe Minute allerdings kaltes. Sobald das Wasser dann warm geworden ist, steht dem Durchvergnügen nichts mehr im Wege. Bleibt bloß zu hoffen, daß niemand sonst einen Wasserhahn aufdreht - sonst wäschst Du Kochgang.

Nach der Dusche das übliche, abtrocknen und Haare trocknen. Jedoch - wo ist hier eine Steckdose für den Fön? Bevor Du zu lange suchst, vergiß es. Englische Badezimmer haben keine Steckdosen. Und nein, ich weiß auch nicht, woran das liegt. Die einzige Begründung die mir einfallen könnte ist Unfallschutz. Dann stellt sich mir allerdings die Frage, wieso die Engländer lieber über die wild gehangenen Verlängerungsschnuren stürzen wollen, als eine vernünftige Sicherung zu verwenden (sozusagen daß Ding, was in Deutschland die Sicherheit in Bädern liefert).

So, das war mein kleiner Rundgang durch das Badezimmer, also Licht aus, Tür zu, Danke fürs Lesen.

Comments

Sicherung

Sehr interessanter Artikel....

Mit der Steckdose und Sicherheit liegst du ganz richtig. Diese bescheuerte Sicherheitsstrategie kommt aus England und wurde kurioserweise weltweit für Hotels übernommen. Seit ein paar Jahren, dürfen in vielen Ländern in Hotelneubauten auch keine für den Gast zugänglichen Steckdosen eingebaut werden. Endweder nur fest installierte Föhnsteckdosen oder gar nicht. Selbst die alten Kombis (Föhn und Rasierer) sind in vielen Ländern jetzt verboten.

Wasserhähne

Zwei separate Wasserhähne sind echt nervig. Dazu kommt dann auch noch daß diese nicht an die Waschbeckengröße angepasst sind und es so erlauben die Hände o.ä. bequem unter den Wasserstrahl zu halten. Nein, sie kleben direkt am hinteren Ende des Porzellans so daß man da gar keinen richtigen Platz hat sich die Finger am hinteren Rand wundscheuert...
(besonders angenehm wenn man entweder stark dreckige bzw. ölige Finger hat - oder derjenige vor einem)

interessant, muss mal ein

interessant, muss mal ein post schreiben von badezimmer in thailand, wenn mein neues fertig ist. die reisleine hab ich auch, ist aber nicht typisch thai. hab ich mir selber ausgedacht.

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